Wie ist Dein Name?
Seppo Schmid
In welchem Jahr bist Du geboren?
1980
Erzähl uns ein bisschen über Deine Familie (z.B. verheiratet, Kinder, etc.)
Meine engere Familie umfasst zwei Brüder und eine Schwester. Meine verwandtschaftliche Familie reicht mindestens für vier halbe Stadtratslisten. Aber irgendwer muss ja noch im normalen Leben leben :-)
Welchen Beruf übst Du momentan aus?
Ich bin seit 2020 am Klimainformationszentrum des Landesamts für Umwelt beschäftigt. Unsere Aufgabenbereiche sind vielfältig. Es geht um die Bereitstellung verschiedenster Klimainformationen für die unterschiedlichsten Zielgruppen. Für Kommunen, Wasserwirtschaftsämter, das Ministerium und auch für die Öffentlichkeit. Das "Partner" Referat kümmert sich um Anpassungsmaßnahmen. Dort bin ich zuständig für die Modellierung bayerischer Flussgebiete, um die Auswirkungen des Klimawandels auf diese abzuschätzen. Falls es wen genauer interessiert, empfehle ich das Umwelt-Spezial “Klimawandel und Abflüsse in Bayern” (Download: https://www.bestellen.bayern.de/lfuwas00379). Hier wird in aller Ausführlichkeit meine Tätigkeit beschrieben. Außerdem bin ich anscheinend gut darin, große Datenmengen zu analysieren und aufzubereiten. Wir arbeiten dort mit sehr vielen Klimamodellen, wo diese Expertise durchaus nützlich ist. Deren Datenmengen misst man in Terabyte. Vor allem das Programmieren macht mir Freude, besonders wenn's funktioniert! Zum Thema Klimamodelle hätte ich auch einen Link für euch. Meine Kolleginnen und Kollegen arbeiten am "Bayerischen Klimainformationssystem" (BayKIS) (https://klimainformationssystem.bayern.de/). Über einen Besuch auf ihrer Seite würden sie sich sicher freuen. Mein Ziel ist es, dort bis zu meiner Rente zu bleiben. Also drückt mir die Daumen, dass ich eine feste Stelle bekomme.
Was hast Du früher gemacht?
Aufgewachsen bin ich in Schwindkirchen (ab 1980). Als Kind war ich da im Trachtenverein in Wasentegernbach und tatsächlich ein, zwei Jahre im Schützenverein. Aber die meiste Zeit verbrachte ich mit meinen Freunden, meist draußen irgendwo. Klassisch bauten wir Lager an der Goldach, fuhren BMX und “hingen rum”. Internet hatten wir damals ja nicht. Eine Anekdote, die vielleicht auch etwas Bezug zu meiner jetzigen Tätigkeit hat, betrifft ein Lager, (nein, das war ein richtiges Haus schon fast!) das meine Freunde und ich auf der Goldach auf Stelzen (schon damals in modularer Bauweise) gebaut habe. Es war so stabil, dass es einige Hochwässer überlebte. Irgendwann bekamen wir einen Anruf vom Wasserwirtschaftsamt, dass das hochwassertechnisch eine eher ungünstige Lage ist und dass es weg muss. Ich glaub es erledigte sich dann von selbst: Das nächste Hochwasser überlebte unser Haus nicht. Ich habe aber dennoch bis heute den Verdacht, das da nachgeholfen wurde :-).
Mit 16 (1996) dann zog ich mit meiner Ma und meinen Geschwistern nach Dorfen. Gute Zeit. Die Zeit verbrachte ich meist im Jugendzentrum. Neben "Rumhängen" hab ich da auch schon Verantwortung übernommen und stieg zum Schriftführer auf (was meiner Ansicht nach eine Fehlentscheidung war) und dann sogar 2. Vorsitzende. Besonders in Erinnerung sind mir da die coolen Open Airs in Burdberg, der Irische Abend und der Südseeabend geblieben. Vor allem die Heizwoche vor dem Südseeabend selbst. Ökologisch gesehen war das im Nachhinein gesehen eher suboptimal. Nach Aussagen von meiner Ma roch ich über Wochen nach Heizöl. Naja. So Ölöfen müssen halt gewartet werden. So ein Engagement im Jugendzentrum bringt einen zwangsläufig auch in Kontakt mit der Kommunalpolitik. Und hier gab uns seinerzeit Bürgermeister Sterr folgenden Tipp: „Wo kein Kläger, da kein Richter“. Ich werde ihn vermissen.
Besonders hervorheben möchte ich gerne, dass ich beim "harten Kern" der Aktionsgemeinschaft gegen die A94 durch das Isental dabei war. Dort waren die unterschiedlichsten Leute vertreten von Links bis Konservativ, von Konventionell bis Bio. Ich glaube, obwohl wir letztendlich unterlagen, es doch dazu geführt hat, dass es eine Vertrauensbasis gab zwischen diesen unterschiedlichen Weltanschauungen. Wenn ich an die gemeinsamen Veranstaltungen im Streiblsaal, den Sommerfesten am Lindumer Kircherl und die vielen anderen Aktionen denke, beweist das für mich, dass sowas möglich ist.
"Da war alles dabei: von Kuba bis Seeheimer Kreis." Wenn ich mich recht erinnere, war das die Aussage von Heiner Müller-Ermann nach einem Treffen von politisch interessierten Jugendlichen bei ihm in der Stuben. Das führte dann zu zwei Eintritten in die SPD. Ein sehr guter Freund von mir und ich selbst. Wir waren da 16. Wer von uns jetzt Kuba und wer Seeheimer Kreis war tut nichts zur Sache :-). Auf alle Fälle bildeten wir das gesamte Spektrum der SPD ab. Damals war sie auch noch den Wahlergebnissen nach eine Volkspartei.
Abitur machte ich dann 2000. Da ich nach Meinung der Musterungsstelle "ungeeignet" war hätte ich gleich durchstarten können, damals gab es ja noch die Wehrpflicht. Entschieden habe ich mich aber für eine Ausbildung zum Krankenpfleger. Wobei der ursprüngliche Plan von mir war, ein zwei Jahre im Krankenhaus zu jobben. Sozusagen was Soziales für Geld machen. Nun ja, beim Vorstellungsgespräch wurde ich dann gefragt: "Warum beginnen sie dann nicht gleich eine Ausbildung". Tja, was will man da sagen. Dann macht man halt eine Ausbildung. Noch dazu was Sinnvolles.
Leider brach ich die Ausbildung nach knapp zwei Jahren ab, was mich im Nachhinein ärgert. Aber meine private Situation damals, mein kleiner Bruder kam bei einem Hausbrand ums Leben, war sehr schwierig. Das war ein schwerer Schlag für meine Familie und mich. Danach entschied ich, dass ich ein Studium der Geographie anfange. Was ich schließlich auch zu Ende brachte.
Und dabei blieb ich dann. Nach dem Abschluss blieb ich an der LMU in München und arbeitete als wissenschaftlicher Mitarbeiter in diversen Projekten. Hauptsächlich ging es dabei immer um den Klimawandel und welche Auswirkungen er auf Bayerns Flüsse hat. Vor allem die Kooperation mit dem Landesamt für Umwelt (LfU) und dem CEHQ, Pendent zum LfU in Quebec, machte mir sehr viel Freude. Ich lernte deren Sichtweise kennen. Vor allem lernte ich zu unterscheiden, was wichtig für eine Behörde ist und was wichtig für die Forschung ist und wie sich beide ergänzen können.
Nach acht Jahren an der Uni machte ich ab 2018 eine 2jährige Zwangspause. Normalerweise wollte ich nach der UNI die Seiten wechseln und ans LfU gehen. Die sinnvolle Regelung, dass man nur begrenzte Zeit eine befristete Stelle bei einem Arbeitgeber haben kann, machte einen Wechsel riskant. Nicht für mich, sondern für den Freistaat Bayern. Er wäre nämlich mein Arbeitgeber geblieben und hätte mich nach 2 Jahren (damals war der Zeitraum noch 10 Jahre, heute ist er bei 8) fest anstellen müssen. Da ich aber auch noch andere Fähigkeiten und Interessen habe und während meiner Zeit an der UNI kaum für anderes Zeit hatte, fing ich im Marienstift als Pflegehilfskraft an. Erfahrung in diesem Bereich hatte ich ja. Das waren schöne 2 Jahre im Stift, die ich nicht missen möchte. Was ich sonst in diesen zwei Jahren so getrieben hab, schreib ich dann bei den Ehrenämtern.
Wo engagierst Du Dich ehrenamtlich oder was machst Du in Deiner Freizeit?
Angefangen hat alles mit dem Jugendzentrum, glaub ich. Auch heute noch bin ich ihm verbunden und dankbar für die Erfahrungen, die ich dort gemacht habe. Aus dieser Zeit weiß ich, dass man nicht alleine auf der Welt ist und sich mit anderen auseinandersetzen muss. Und vor allem, dass man gemeinsam viel besser was auf die Beine stellen kann als alleine. Einige werden sich noch erinnern, aber früher gabs Podiumsdiskussionen im JZ bei Kommunalwahlen mit den Vertretern aller Listen. Zumindest an zwei kann ich mich da erinnern. Ich denke, diese analoge Form der politischen Auseinandersetzung ist mit dem Internet weniger geworden und ich weiß nicht, ob das so gut ist.
Auch bei der Aktionsgemeinschaft gegen die A94 war ich aktiv und seitdem ich 16 bin auch parteipolitisch bei der SPD.
Derzeit bin ich in verschiedenen Bereichen aktiv, vor allem in der Nachbarschaftshilfe/Tafel Dorfen und im Johannis Café.
Angefangen als Fahrer, dann Tafeleinsatzleitung und jetzt Vorstand habe ich alle Perspektiven bei der NBH kennengelernt. Das ist mir auch wichtig, denn nur so kann ich den Job als Vorstand auch authentisch ausfüllen. Der Grund, warum ich bei der NBH angefangen hab, war natürlich das Soziale. Was man dort in vielfältiger Weise machen kann ist schon beeindruckend: Von Besuchsdiensten, Einkaufsdiensten, Hausaufgabenbetreuung und alles was mit der Tafel zusammenhängt. Ein weiterer Grund für mich war aber auch, dass man aus seinem/seiner eigenen Dunstkreis/Generation mal rauskommt. Und das hat sich gelohnt! Ich bin dankbar für alle Freundschaften, die daraus hervorgegangen sind.
Mein absolutes Herzensprojekt ist das Johannis-Café. Ehemalige Mitarbeiter und ich standen irgendwann vor dem Problem, dass der Bäda mal in Rente gehen wollte. Aber unser Interesse war es, dass Café zu erhalten. Das stand im Wiederspruch. Deshalb gründeten wir 2019 die Johannis-Café eG (eine richtige, echte Genossenschaft) und übernahmen den Laden. Auch der Bäda wurde Genosse, sogar ein sehr entspannter Genosse. Man kann sich das Café als mitarbeitergeführte Kneipe vorstellen, wo alles, was ein Wirt alleine machen muss, auf viele Schultern verteilt werden kann. Als Mitglied im Vorstand bleibt natürlich vieles an uns hängen. Aber das ist normal denke ich. Wichtig ist, dass es sich um eine nachhaltige Struktur handelt und es das Café noch weitere 50 Jahre gibt.
Als letzten Punkt würde ich noch mein Engagement bei der Gründung einer Baugenossenschaft in Dorfen anführen. Das geht jetzt aber auch schon einige Jahre. Da musste ich auch erst Lehrgeld bezahlen: Sowas dauert nun mal Jahre! Der Punkt ist, dass man ein Grundstück und einen groben Zeitplan braucht, um jungen Familien, Seniorinnen und Senioren ein Projekt vorzuschlagen, wo sie Zeit und Geld investieren müssen. Deshalb würde ich mich momentan als Lobbyist einer Baugenossenschaft bezeichnen. Mit einigen Mitstreitern beobachten wir aber die Situation, führen Gespräche, checken Gelegenheiten und bilden uns fort. Damit wir bereit sind wenn's ernst wird. Das kann man aber keinen jungen Familien zumuten, deshalb machen wir das für sie.
Ansonsten bin ich natürlich noch Stadtrat und Statist bei Theatern.
Warum lebst Du gerne in Dorfen?
Da schließe ich mich meinem Neffen (Listenplatz 3) an: Es ist meine Heimat und mir gefällt's hier.
Welches Thema sollten wir in Dorfen stärker fördern?
Alles, was die Gemeinschaft stärkt, Chancen schafft, das Zusammenarbeiten erleichtert, den Austausch fördert und das Leben schön macht. Vieles passiert natürlich schon, aber es ist immer Luft nach oben.
Wenn Du in die Zukunft blickst: Wie soll Dorfen in 10 Jahren sein?
In Dorfen wurde gerade das zweite genossenschaftliche Wohnprojekt fertiggestellt. Die Verhandlungen der Genossenschaft mit der Stadt über ein Grundstück für das dritte Wohnprojekt sind fast abgeschlossen. Die Erstbezieher sind schon fleißig am Planen. Die Wohnungsbörse, die es seit Jahren gibt, hat sich bewährt. Leerstände in der Stadt Dorfen sind extrem zurückgegangen. Das alles gelang, indem alle Akteure der Stadt über privatwirtschaftliche Bauträger bis zur Genossenschaft eng zusammenarbeiteten. So entsteht immer mehr ein bunter Mix aus Eigentumswohnen, genossenschaftlichem Wohnen und von der Stadt geförderten Sozialwohnungen. Aber auch der freie Wohnungsmietmarkt ist noch wohlauf. Aber etwas sozialer jetzt.
Wer Sport, ob im Verein oder einfach, so in Dorfen betreiben will, findet ein reichhaltiges Angebot vor. Die Vereine haben mit Hilfe der Stadt nachhaltig ihre Platzprobleme gelöst. Auch das Ehrenamt hat wieder Auftrieb. Trainer und auch Trainerinnen sind kein Mangel mehr. Letztere wurden aus der vor ein paar Jahren gegründeten Frauenfußballmannschaft des TSV rekrutiert - die nebenbei gesagt auch sehr erfolgreich ist (im selben Jahr bekamen auch die Nickelbrüder endlich eine Schwester). Vor allem entstanden in den letzten Jahren immer mehr Flächen, wo man sich mit Freunden treffen und Fußball oder Basketball spielen kann. Der öffentliche Hartplatz wird sehr gut angenommen.
Das kulturelle Angebot ist in Dorfen nach wie vor reichhaltig. Dies schaffte zudem ein Klima, in dem sich weitere Kunst und Kulturgruppen bildeten, die geholfen haben, dass sich Dorfen überregional zu einem Hot Spot der Kultur in Ostbayern entwickelte. Auch der Tourismus nimmt zu. Die Innenstadt hat ein paar gut sortierte Fachgeschäfte und viel Gastronomie. Auch die Märkte entwickelten sich mit innovativen Ideen weiter.
Das Verkehrsproblem auf der B15 nahm rapide ab. Zum einen, weil die Bahn ihren Zeitplan für den Ausbau der Strecke nicht nur einhielt, sondern sogar sehr viel früher fertig wurde (was im Übrigen für alle Projekte in ganz Deutschland gilt. Wie haben die das nur hinbekommen?). Staus wegen geschlossener Bahnschranken gehören der Vergangenheit an. Insgesamt konnte auch der Verkehr verringert werden durch einen attraktiven lokalen und überregionalen massiv ausgebauten ÖPNV.
Diese positive Entwicklung ist aber Gott sei Dank nicht nur auf Dorfen beschränkt. Vor zehn Jahren hatte man fast schon alle Hoffnung verloren. In den 20er Jahren tobten noch Autokraten und Kriege auf der Welt. Durch Pandemie und Migration haben wir unser Grundvertrauen untereinander verloren. Die Erkenntnis jedoch, dass wir mehr erreichen, wenn wir zusammenhalten, führte dazu, dass wir doch noch die Kurve gekriegt haben. Global haben wir den Klimawandel zumindest abgeschwächt und nötige Anpassungen werden solidarisch geschultert. In Dorfen selbst sieht man dies an den vielen Lösungen, die man gemeinsam erarbeitet und umgesetzt hat und auch daran, dass die Töchter und Söhne der vor über zwanzig Jahren gekommenen Geflüchteten nun auch im Stadtrat vertreten sind.
Was hat Dich bewogen, in die Politik zu gehen?
Ich wollte nicht an der Seitenlinie stehen :-)
Dein Statement für unseren Flyer?
»Vertrauen und Verständnis sind das Erfolgsrezept für eine starke Gemeinschaft.«